Die Vergangenheit kann sich als einschränkendes Korsett oder als fruchtbarer Dünger für eine blühende Blumenwiese zeigen. Wir können den Blickwinkel selbst wählen...immer wieder.
Als ich damals mit 18 Jahren, gleich nach der Matura, nach Spanien reiste, hatte ich nicht vor jemals wieder nach Graz zurück zu kommen. Nach Spanien folgte Brasilien und danach entschied ich mich - nach meiner Inskription auf der Grazer Uni - doch noch kurzer Hand für ein Studium in Wien. Das Reisen hat mich verändert und damals gab es für mich kein Zurück in mein "altes Grazer Ich".
Nach 13 Jahren in Wien und einigen Auslandsaufenthalten hat mich Graz wieder. :) Dafür musste ich allerdings nicht - wie zuvor geglaubt - zu meinem "alten Ich" zurückkehren, sondern durfte und darf erfahren, dass die Auseinandersetzung mit meiner Vergangenheit/meinen Wurzeln dabei hilft mich weiterzuentwickeln.
Derzeit wohne ich gegenüber meiner alten Volksschule - ein Ort der auch herausfordernde Erinnerungen in mir auslöst. Doch mittlerweile gelingt es mir, das was passiert ist anzunehmen, ohne Vorwürfe an Eltern, Lehrer*innen oder Schulkamerad*innen. Heute sehe ich diese Schule als ein schönes gelbes Gebäude, umgeben von Grünflächen und spielenden Kindern.
Wenn alles da sein darf, kann ich meine Energie ungeteilt auf das richten was mir gut tut und verliere mich nicht im "Alten". Das "Nicht-wollen" bzw. negative Gedanken an Vergangenes nehmen in unserem Alltag oft mehr Energie und Zeit in Anspruch als uns bewusst ist.
Zur wertfreien Bewusstwerdung und für einen freundlichen Umgang mit "Altlasten" schätze ich den systemischen Zugang sehr. Denn hier wird betont, dass es für alles Platz gibt. Aus meiner eigenen Erfahrung von Prozessen im Einzel- und Gruppensetting weiß ich, dass sich sogar als negativ abgestempelte Dinge (Symptome, Erinnerungen, etc.) über das Annehmen in neue Ressourcen verwandeln. Es braucht kein schlechtes Gewissen oder Selbstmitleid, das reine Hinschauen und Anerkennen reicht aus!
Interessanterweise zeigt uns die Natur ja auch, dass unser verrottender Bio-Müll (das Alte das wir weggeben) wertvoller Humus für neues Leben ist.
Lasst uns in diesem lebensbejahenden Sinn mutig in die eigenen Tiefen schauen, im Vertrauen, dass sich Schmerz, Angst und negative Gedanken in neue Ressourcen und mehr Lebensfreude wandeln. Die Innenschau über den Körper und die Bewegung ist für mich die beste Wegbegleiterin und diesen Schatz mit ähnlich gesinnten Menschen zu teilen, ist ein wahrer Segen! ☀️